Zusammenfassung

Nextcloud hat mit der Einführung der ADA-Engine einen massiven technologischen Sprung vollzogen. ADA steht für „Accelerated Direct Access“ und markiert die größte Architekturänderung seit Jahren. Die Engine zielt darauf ab, die Skalierbarkeit für Millionen von Nutzern zu optimieren, indem der Datenzugriff radikal effizienter gestaltet wird. Erste Tests zeigen Performance-Steigerungen von bis zu 400 Prozent bei Dateizugriffen.

Nextcloud Architektur

Die Architektur hinter ADA

Die ADA-Engine ist kein bloßes Software-Update, sondern eine tiefgreifende Neugestaltung des Advanced File Access Layers. Geschrieben in einer Kombination aus PHP, Go und Rust, nutzt sie die Stärken jeder Sprache für spezifische Aufgaben. Während PHP weiterhin für die App-Logik zuständig ist, übernehmen Rust und Go die performancekritischen High-Performance-Backends. Das Kernkonzept basiert auf der Vorberechnung von Zugriffsrechten und Metadaten, was die Latenz bei jedem einzelnen Request drastisch reduziert.

Ein zentrales Element ist die Ablösung des alten Mount-Point-Caches. Früher musste dieser bei jeder Anfrage neu berechnet oder validiert werden, was besonders bei vielen geteilten Ordnern zu Verzögerungen führte. Die ADA-Engine nutzt nun eine authoritative Tabelle, die permanent aktuell gehalten wird. Dadurch verschiebt sich die Rechenlast von der Lese-Operation (Nutzer greift zu) auf die Schreib-Operation (Ordner wird geteilt), was die gefühlte Geschwindigkeit für den Endanwender massiv verbessert.

Datenbank-Optimierung und Snowflake IDs

Um die Skalierbarkeit in den Millionen-Nutzer-Bereich zu hieven, wurde der File Cache – oft die größte Tabelle in Nextcloud-Instanzen – grundlegend optimiert. Durch die Auslagerung von Vorschaubildern (Previews) in eine eigene Tabelle konnte die Größe des File Caches um über 50 % reduziert werden. Dies beschleunigt Datenbankabfragen und reduziert die Serverlast signifikant.

Zusätzlich wurde das Fundament für Sharding gelegt. Hier kommen sogenannte Snowflake IDs zum Einsatz, ein System, das ursprünglich bei Twitter (jetzt X) entwickelt wurde. Im Gegensatz zu herkömmlichen, fortlaufenden IDs ermöglichen Snowflake IDs die dezentrale Generierung von eindeutigen 64-Bit-Identifikatoren in Clustern. Das reduziert Wartezeiten bei der Kommunikation zwischen Anwendungsserver und Datenbank, da die IDs nicht mehr zentral angefordert werden müssen, sondern direkt am Node generiert werden können.

Datenfluss Optimierung

Direct S3 Access und High Performance Backend

Für große Cloud-Infrastrukturen, die S3-kompatiblen Speicher nutzen, bietet ADA nun „Direct Downloads“. Bisher mussten Dateien vom S3-Speicher über den Nextcloud-App-Server zum Client geschleust werden. Mit ADA erhält der Client einen temporären, geschützten Link und lädt die Daten direkt vom S3-Bucket herunter. Dies entlastet den App-Server vollständig von der Traffic-Last und sorgt für maximale Download-Geschwindigkeiten.

Auch die Kommunikation mit den Clients wurde revolutioniert. Das in Rust geschriebene High-Performance-Backend für Files wurde in Version 2.0 veröffentlicht. Es sendet nun gezielte Listen betroffener Dateien an die Clients, anstatt nur eine allgemeine Benachrichtigung über Änderungen zu triggern. Dies reduziert den Client-Server-Traffic um bis zu 80 %, da die Desktop-Clients genau wissen, ob ein Synchronisationsvorgang überhaupt notwendig ist oder nicht.

Vergleich mit Microsoft 365 und Google Workspace

Im direkten Vergleich mit geschlossenen Ökosystemen wie Microsoft 365 oder Google Workspace positioniert sich Nextcloud mit der ADA-Engine als ernsthafte, souveräne Alternative für den Enterprise-Bereich. Während Microsoft und Google ihre Infrastruktur vollständig kontrollieren, ermöglicht Nextcloud durch die neue Architektur eine vergleichbare Geschwindigkeit auf eigener, selbst gehosteter Hardware oder in europäischen Cloud-Lösungen. Die digitale Souveränität bleibt dabei vollständig gewahrt, ohne dass Nutzer Einbußen bei der Responsivität hinnehmen müssen.

Besonders bei der Handhabung komplexer Berechtigungsstrukturen in großen Teams zeigt Nextcloud ADA seine Stärken. Die Fähigkeit, Metadaten lokal vorzuhalten und Push-Benachrichtigungen in Echtzeit zu verteilen, schließt die Performance-Lücke zu den Hyperscalern. Unternehmen können so eine hochperformante Kollaborationsumgebung betreiben, die den strengen europäischen Datenschutzrichtlinien entspricht und gleichzeitig technologisch auf Augenhöhe mit den globalen Playern agiert.